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5 Fragen zum Thema Entlassmanagement

08. Dezember 2015|Interview

Nicht immer können Patienten nach der stationären Behandlung einfach so nach Hause gehen. Was zu tun ist, wenn auch nach dem Klinikaufenthalt Versorgungsbedarf besteht, erklärt Veronika Schulte-Marin, HELIOS Expertin für die Bereiche Entlassung und Überleitung.

helios.hub: Frau Schulte-Marin, was ist Entlassmanagement?

Veronika Schulte-Marin: Viele Patienten haben nach ihrem stationären Aufenthalt bei uns weiteren Behandlungsbedarf. Aufgabe des Entlassmanagers ist es herauszufinden, was ein Patient braucht und genau das für ihn zu organisieren. Nach einem Herzinfarkt oder einer Knieoperation kann das beispielsweise eine Reha sein. Auch wenn es direkt nach Hause geht, sind eventuell Hilfsmittel wie ein Rollator nötig. Es gibt Patienten, die alleine leben. Da müssen die Entlassmanager abklären, ob es im privaten Umfeld des Patienten Menschen gibt, die ihn unterstützen. Eine ältere Dame, die im vierten Stock ohne Aufzug lebt und niemanden hat, kann man nach einer Hüftgelenkoperation nicht einfach so nach Hause schicken.

Mit wem arbeitet das Entlassmanagement zusammen?

Wichtiger Ansprechpartner sind Kostenträger wie Kranken- oder Pflegekassen, weil sie die anstehenden Maßnahmen bewilligen müssen. Das Entlassmanagement steht außerdem im engen Kontakt zu Nachversorgern wie Pflegediensten und Sanitätshäusern und natürlich zu jeder Dienstart im Haus, vom ärztlichen Dienst über die Pflege bis hin zu den untersuchenden und diagnostischen Abteilungen.

Welche Herausforderungen sind mit dem Entlassmanagement im Krankenhausalltag verbunden?

Die Verweildauer im Krankenhaus ist in den letzten Jahren erheblich gesunken, so dass man als Entlassmanager schnell handeln muss. Bei elektiven, also geplanten, Patienten kann man schon vieles vorher klären, aber wer ungeplant ins Krankenhaus kommt, hat diesen zeitlichen Vorsprung nicht. Um Anträge schnell zu stellen, müssen die Entlassmanager sich sputen, um erstens die individuellen Bedürfnisse des Patienten zu erkennen und zweitens die zahlreichen Unterschriften im Haus einzuholen.

Welche Kommunikationswege werden genutzt?

Am häufigsten das Telefon, denn das persönliche Gespräch bringt am schnellsten Ergebnisse. Mails sind auch schnell, vorausgesetzt der Andere liest seine Mails zeitnah – das wissen wir ja nicht unbedingt. Eine Krankenschwester kann nicht alle zehn Minuten ihre Mails checken. Deshalb ist der Weg auf die Station wichtig, um die Ansprechpartner direkt zu kriegen und Informationen oder Unterschriften einzuholen.

Welches Potenzial für digitale Innovation sehen Sie in Ihrem Arbeitsbereich?

Alle Beteiligten würden davon profitieren, wenn wir stärker weg vom Papier kämen. Es würde den Prozess der Überleitung beispielsweise unglaublich beschleunigen, wenn die Entlassmanager alle für die Überleitung eines Patienten benötigten Unterschriften elektronisch einholen und sammeln könnten. Die Suche nach Formularen wäre damit passé. Patienten und Angehörige brauchen aus unserer Erfahrung vor allen Dingen Antworten auf die vielen Fragen, die sich aus einer Krankheit ergeben. Dabei wäre ein digitaler Assistent in Form einer App hilfreich, der ihnen sowohl auf sie zugeschnittene Informationen zur Krankheit bzw. Genesung liefert als auch Ansprechpartner wie Selbsthilfegruppen in ihrer Region.

 

Zur Person

Veronika Schulte-Marin ist seit neun Jahren bei Helios und seit sieben Jahren Referentin Rehabilitation/Überleitungsmanagement und Case Managerin im Zentralen Dienst Rehabilitation.

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