Bild: Medexo GmbH

Aus dem helios.hub

17. Dezember 2015|Interview

Lernen Sie in unserem Gründerinterview im Dezember Dr. Jan-Christoph Loh kennen.

helios.hub: Herr Loh, wie heißt Ihr Produkt?

Christoph Loh: Medexo SAAS. Es handelt sich dabei um ein telemedizinisches Zweitmeinungsverfahren.

Welche Probleme soll Medexo lösen?

Mithilfe der Plattform verbinden wir Patienten vor, während und nach einer Therapie mit Fachärzten, die ihnen auf Wunsch eine Zweitmeinung zukommen lassen. In diesem Bereich kommt es häufig zu dem Problem, dass Patienten aufgrund der wenigen Zeit, die ihr Facharzt für sie hat, und auch aufgrund der Berichterstattung in den Medien verunsichert sind und sich eine zweite Meinung wünschen. Diese liefert ihnen die Medexo Software, strukturiert und laienverständlich.

Welche weiteren Features bietet Ihr Produkt?

Unter anderem die Funktion eines prä- und poststationären Managements. Dazu gehört, dass Termine und Aufenthalte in Kliniken mithilfe von Anamnesefragebögen vorbereitet werden, die von den Patienten ausgefüllt und dann an den Leistungserbringer über ein Uploadtool weitergeleitet werden. Auch Voruntersuchungen oder Bildgebungen können so vorab an den Arzt oder das Klinikum übermittelt werden. Alle Informationen sind elektronisch in einer zentralen Patientenakte vorhanden. Medexo verfügt zudem über eine so genannte Outcome Evaluation: Auf Basis einer Nachbetreuung und Nachbefragung unserer Patienten erreichen wir eine Aussage über die Ergebnisse ihrer Therapie anhand von validierten Selbsteinschätzungs-Scores. Diese Scores ermöglichen unter anderem eine Aussage über die Qualität der durchgeführten Beratung und der angeschlossenen Behandlung. Mithilfe der Ergebnisse können Kliniken prüfen, ob Patienten mit einer bestimmten Therapie geholfen wird und ob sie zufrieden sind. Zusätzlich bieten wir den Ärzten einen Erstellungsassistenten für medizinische Gutachten und Arztbriefe. Hierbei ist auch eine Laienübersetzung mit integriert, die es dem Arzt ermöglicht Patienten verständliche Stellungnahmen in kürzester Zeit zu verfassen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich bin während meiner Zeit als Chirurg relativ früh mit der Ökonomisierung der Medizin in Kontakt gekommen. „Fälle gleich Stelle“ lautete das Motto. Das hat mir nicht gefallen. Über einen ehemaligen Schulkameraden hat sich dann die Möglichkeit ergeben, an einem Projekt für Qualitätssicherung mitzuarbeiten. Da wir das sehr professionell aufziehen wollten, musste ich mich entscheiden, ob ich weiter Chirurg bleiben will oder Gründer werden möchte. Ich habe mich innerhalb von vier Wochen für Letzteres entschieden. Ich wollte nicht im alten Trott bleiben, sondern etwas tun, um die Qualität medizinischer Behandlungen zu verbessern. Ich will das Arzt-Patienten-Gespräch auf Augenhöhe ermöglichen – das hilft am Ende des Tages allen Beteiligten.

Was sind die nächsten Schritte für Medexo?

Die Software ist schon seit drei Jahren erhältlich. In dieser Zeit haben wir viele Erfahrungen gesammelt, auf deren Basis wir unser Produkt weiterentwickeln wollen. Anfang Dezember haben wir verschiedene Pilotprojekte gestartet, die bei Erfolg Mitte des ersten Quartals 2016 für alle Nutzer zugänglich sein sollen.

Was treibt Sie an?

Ich war immer schon von den Möglichkeiten der Technologie innerhalb der Medizin fasziniert, weil sie der Qualität und damit dem Patienten zugutekommt. Die Digitalisierung bestimmter Bereiche der Medizin, zum Beispiel in der Mikrochirurgie in Form von digitalen Mikroskopen, aber auch der bessere Zugang zu medizinischen Informationen im Zuge der Digitalisierung, erhöht die Qualität immer weiter und entlastet darüber hinaus die Ärzteschaft in der täglichen Arbeit. Das begeistert mich.

Was ist die oberste Regel für Gründer im Bereich e-Health?

Geduldig sein, Ausdauer haben und ein Produkt mit echtem Mehrwert für den Patienten anbieten. Das Gesundheitssystem in Deutschland ist stark reguliert und sehr konservativ, was das Internet angeht. Um mit einem digitalen Angebot in der Medizin erfolgreich zu sein, muss man viele Türen einrennen und den Patienten vom Nutzen des Angebotes überzeugen.

 

Zur Person

Dr. med. Jan-Christoph Loh, 35 Jahre, war vor der Gründung von Medexo in der Abteilung für Gefäß- und Plastische Chirurgie im Berliner Vivantes Klinikum in Friedrichshain tätig und zuvor in der Abteilung Allgemeinchirurgie der Berliner Charité.

Medexo in Kürze

Standort: Berlin
Gründungsdatum: 26.04.2012
Anzahl fester Mitarbeiter: zwölf
Status Finanzierung: Letzte Runde im September 2015 kleine siebenstellige Summe, Series A für Q4 2016 geplant.
Website: medexo.com

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